DAS FEST 

Was für ein Tag: 
Erst brennt er wie Feuer, dann klingt er wie Glocken - Eine Ode an das Leben

Ich weiss nicht, dass das Ende auf mich zurollt wie eine Woge in Gestalt eines Prunkwagens, auf dem der griechische Hund Kerberos mit seinen drei Köpfen den Eingang zur Unterwelt bewacht mit denen des Todes folgenden Leuten, die mit ihren dunklen Kostümen und stahllosen Sensen den Strassenrand nach möglichen Opfer absuchen und in Marschformation, langsam, aber stetig auf uns zukommen, während dem ich hier mit Mirjam am Rande des Faschingsumzugs stehe und verzweifelt nach einer Lücke suche, um auf die andere Seite zu gelangen.

Einem glühenden Lavastrom gleich, ziehen sie vorbei; in Schüben, von links nach rechts, schreitend, mit bunt verschmierten Gesichtern, leicht geöffneten Mündern und hin und wieder das Kinn bewegend und groteske Laute von sich schmeissend wie glucksende Enten. Trommler mit farbigen Perücken und bunten Wimpelkleidern, „Ahoi“ in die Gegend rufend, als möchte jeder ein Schiff sein. 

Da ist kein passieren, alle versperren sie den Weg auf die andere Strassenseite.

M. müsste wissen, wie wir in die Notfallstation kommen, schliesslich ist sie hier zur Schule gegangen, nur sicher bin ich mir nicht. Sie ist sehr aufgeregt. Ich muss sie beruhigen, damit sie mich nicht ansteckt, mit ihrem panischen Getue, das mir weh tut in meiner Brust und ich innehalten muss, bis es sich wieder gelegt hat. Das Atmen geht schwer, ein Lungenflügel ist etwas zusammengefallen. Das ist mir zwar schon mal passiert, nur dass es diesmal immer weter geht.

Schnell rollen die geschmückten Wagen des Faschings über den Asphalt, aufbrausend wie wütende Wogen, mit anschwellendem Getöse irgend eine laute Botschaft an die spalierstehenden Zuschauer schiessend, bis sie ohrenbetäubend nah an uns vorüberziehen, dann zusammenkrachen und verblassen, während in der darauf folgenden Gasse ausgelassene, wie Möwen schreiende Kinder umherhüpfen, bis eine neue Woge über den Asphalt fährt. 

Röhrende Traktoren, die Wagen ziehen, mit tanzenden Leuten drauf, grölend und lachend die Welt verhöhnend, Konfetti in die Menge schmeissend und immer wieder dieses aufheulende „Ahoi“,  durch die Luft schnellend, geschossen wie aus einem Nebelhorn. Dazwischen geistern Gasmasken mit trunkenen Pfeifenklängen, schwanken hochgehobene Biergläser, „ahoi“ brüllende, immer wieder „ahoi“ brüllende, aus viereckigen Mündern brüllende, „ahoi“ - wieso ahoi?“ 
Es lässt sich nicht wiedergeben, lustig ist alles, manchmal spricht es jemand vor, hinter blendend goldenen Kimonos, zusammengenäht aus Rettungsfolien und begleitet mit Trötenklängen, in Wellen schaukelnd, schreitend, und immer weiter treibend. Es geht wie von selbst.

Die gestrige Anreise

Nicht so die Reise gestern Nachmittag: Erst hatten wir uns am Bahnhof verpasst, warteten dann beide an der entgegengesetzten Stelle des Bahnsteigs und reisten schliesslich in getrennten Wagen, bloss wegen eines Schlucks billigen Wodka, den M. während des Begrüssungskusses an mir gerochen und dazu bewogen hatte, samt ihrer Lektüre abzuziehen, so hatte sie wenigstens einen Grund dazu.

So sass ich dann alleine auf dem Doppelsitz, rutschte hinüber auf den Fensterplatz, der sich noch warm anfühlte und glitt mit meinem Blick über die ebene Landschaft, die in hastigen Wellen, doch ruhig und bestimmt an mir vorüberzog. Es war mir recht, alleine zu sein, so konnte ich alles nochmals überdenken, als würde ich seit langem nichts anderes tun, als die Situation immer wieder neu zu überdenken, das Gewesene, das Kommende, das Gewünschte dazwischen, immer wieder, während dem ich den Abreisetermin hab` kommen sehen, ohne die geringste Anstrengung zu unternehmen, etwas dagegen zu tun, ihn zu vergessen , zu verschlafen, beispielsweise, oder in Selbstmitleid zu ertränken. Und dann war er da, der verdrängte Termin, die Reise ging unwiderruflich los, als hätten mich fremde Hände gepackt und fortgerissen.

Ich war müde und schloss die Augen. Das Gleissen der Schienen verdrängte die Landschaft. Sie jagten unter mir hinweg und liessen die Stahlräder beim Springen über die Schweissnähte der Gleise auf meinen Körper schlagen, mitten ins Herz, das schwer in der Tiefe pochte. Die Angst - mein zuverlässiger Begleiter, verharrte als eine Mischung von schwerer Müdigkeit und dem Drang, alles los zu lassen, was dem Körper irgendwie Ballast sein könnte, den Urin, den Stuhlgang, das der Fortpflanzung angehörige, das mich wach hält und eine Zufluchtsstätte für meine ganze Angst geworden war. 
Ich fühlte, wie sie bleiern über das Polster des Fensterplatzes kroch, dessen Wärme die meine geworden war, und meine Brust füllte, als wäre sie der Rammbock am Ende der Schienen des Sackbahnhofs, wo die Fahrt enden soll.
Wir waren auf dem Weg zu M.`s Eltern, und es war das erste Mal, dass wir diesen Weg gingen. Viel hatte sie mir nicht über ihre Eltern erzählt, glaube ich; vermutlich würde sie jetzt sagen, dass das nicht stimmte, dass ich ihr wieder einmal nicht zugehört hätte. „Oh, doch“, würde ich sagen und heimlich ein vages Bild dieser Eltern zeichnen, nicht ohne an das Grauen zu denken. 
weiter geht es diesmal nicht, es bleibt immer das gleiche, man kann nochts tun, muss es akzepotieren, ob man will oder ncit
Diesmal hatte es nicht geklappt, mich dem sonst so geliebten Gedankenspiel hinzugeben, um aus Schilderungen eine unbekannte Person zu ersinnen und mich ein bisschen wie Gott zu fühlen, sie zu erschaffen mit Antlitz und Stimme, während dem ich auf den grossen Moment des Rätsels Auflösung eifere. 


Schiff ahoi

Hellbraun lackierte Schweinemasken mit taumelnden Ohren, die für Schweine viel zu gross sind, lugen wie Hörner aus der Stirn heraus, stolzieren an uns vorbei und lassen an den starren Masken ihre Kostüme baumeln. Kostüme wie Schutzanzüge mit grell orangen Farben und dunklem Gurt in den Hüften.

Da senkt der eine sein Haupt direkt vor mir - ausgerechnet vor mir, bremst seinen Schritt - wieso vor mir? und kommt mit seinen beiden schwarzen Löchern auf meine Augenhöhe, als wäre ich ein Kameramann, erschlägt mich fast mit seinen fleischlosen Ohren und bohrt die Finger in seine Nüstern, dreht sie hin und her…nein, nein, es tut nicht weh, keine Angst, keine Angst, unter seinem fluoreszierenden Ärmel lugt noch ein grauer Anzug hervor.

Jemand winkt aus dem Ellbogen heraus; immer wieder wackelnde Zähne in wackelnden Köpfen, hüpfenden Marionetten. Jemand tut gegen mir ein Bonbon zielen, dann werfen. Auf seinem Rücken mit weissem Kittel hängt eine Spritze, die nicht spritzen kann, viel zu riesengross; „Hoi“ und „danke schön“ gellt`s neben mir, wirft der vergnügte Herr neben mir zurück ein „hooiii“ neben mir zurückgeworfen, immer wieder, winken, wir lieben uns, dann Trommeln: „tamm-tamm-tamm-tatata“, während das letzte tatata in einem hohen Ton zerschellt und wie der Abklang einer Sirene, sich wiederholend, immer leiser und zerfällt bis endlich eine Pause kommt - weiter geht’s.

Der Mund

Es war sehr heiss gewesen im Zug, obschon es erst Frühling war. In Köln sind wir umgestiegen und später in einem kleinen Vorort in eine seltsame Strasse gebogen; eine Strasse, die zwei grössere zu verbinden schien und doch eine Sackgasse war, weil eine Bahntrasse den Weg zerschnitt, auf der diespäte Sonne gerade dabei war, das Fahrleitwerk der elektrischen Bahn am Ende der Strasse mit dem Dunst zu verschmelzen. 

Auf der Höhe eines niedrigen Reihenhauses sind wir eingebogen, durch ein bedrohlich leise hauchendes, an seinen Scharnieren gut geschmiertes, schmiedeeisernes Tor gegangen, über präzis in Reihen gelegte Pflastersteine und vor einer mit braunen Butzenfenster befleckten Tür stehen geblieben.
Ich kann mich nicht erinnern, ob M. erst geklingelt, oder selber die Tür mit einem Schlüssel geöffnet hatte, oder sie von innen geöffnet wurde, nachdem sich hinter den milchig bunten Gläsern ein dunkelgrauer Schatten aufgebaut hatte. 
Die Tür war schlagartig offen, und ohne Bedenkzeit wurde ich vor ihrer Mutters Gestalt gestellt, die als ausgeschälte Silhouette vor der feurig, der Abendsonne seren gestimmt, verklärten Küche stand.
Ich erstarrte und konnte nicht in ihre Augen sehen, die im Dunkeln harrten. Stattdessen wurde mein Blick direkt in ihren Mund geführt, der mich zu verschlingen suchte, unfähig, zu erkennen, was er mir zu sagen gedachte, zu offenbaren, was ich suchte, nicht ihr Wesen, nicht Ihr Antlitz, das aus ihrem Munde zu fliehen schien, wie leises, unscheinbares Kotzen.

Das war also die Überraschung - des Rätsels Auflösung, sozusagen: Das Blitzen des Mundes, umsäumt mit Falten, die in alle Richtungen strahlten. Die Augen hatten da nichts mehr zu sagen gehabt, waren sie, braun, blau oder grün? Ich weiss es nicht. Alles schien aus ihrem Munde zu kommen und die Falten tänzelten sprachlos beim Sprechen umher, wie Gardinen, die unermüdlich auf und zu gezogen wurden, mal sanft, mal grob, bis sie innehielten, um des weiteren zu harren, wachsam, lauernd. 


Sog

Ein dunkelblaues, spiegelblank poliertes Cabriolet gluckert daher wie ein alter Kahn. Ein grosser, schwerer Mann mit blauer Kutte steht bedrohlich schwankend auf der hinteren Sitzreihe und krallt die fleischigen Finger seiner rechten Hand in das Polster des Sitzes davor, indes die andere einen Stab umklammert, einen Stab, der aussieht wie ein Zepter, ihn in die Höhe hält wie ein Spott auf das Olympische Feuer. Etwas samt schimmerndes, rotes, feuergrün Verwobenes baumelt aus seinem oberen Ende, ich muss an Weihnachten denken, an ein längst vergangenes Weihnachtsfest, des funkelnden Grüns wegen, das mich als kleinen Jungen schon mal verzückte, und der Bändel wegen, aus denen Schellen lugen. 

Er schwenkt ihn hin und her, dass die Schellen fast nicht klingen, erdrückt vom Lärmen der Wagen. 
Der Mann räkelt sich in seinem königsblauen Kittel, der sich mit seinem heissen Körper verklebt, sich wieder löst und wieder hängen bleibt. Ich kann die Säure seiner Achsel riechen, die aus einem gähnenden, schwarzen Loch nach mir greift wie Medusas Schlangen und mir in stummer Gestik gebietet, den Kopf in die Höhle seiner Achsel zu legen. 
Auf seinem Haupt thront ein wabbelndes, aus Zeitungspapier gefaltetes Schiff mit Segel, und neben ihm, zwischen Sitz und Vorderlehne klemmt ein grosser, gerahmter Spiegel in einem Meer von blauen Luftballons, die nicht selber fliegen können.
Der Mann beugt sich nach vorne, als will er auf demVordersitz einen Purzelbaum machen, ich kann nur noch das Blau seines Kittels sehen, während es vorüberfährt, und eine Baseballmütze, jene des Fahrers mit dem Lenkrad in der rechten Hand. Etwas kann nicht stimmen, ist nicht richtig, ich kann es nicht sehen. Mir scheint, als würden sie rückwärts fahren.

Melancholie

Haben sie sich umarmt? geküsst? Ich weiss es nicht. Wir wurden dann mit unserem Gepäck wenige Schritte ins Innere des Hauses zu einer glänzenden Treppe aus geschliffenem Kalkstein geführt. M. stieg mit ihren polierten Schnürschuhen aus braunem Leder und harten Sohlen paukend vorne weg in die Höhe. Meine Hände griffen instinktiv nach dem Handlauf und angelten den schwerfälligen Körper nach oben, dass die geschwärzten Metallstäbe des Geländers unruhig gierten und mit dem kürzer werdenden Hall der Tritte sein nahes Ende verrieten. Eine Treppe noch, dann wurde eine Tür aufgeschlossen und eine kleine, blank geputzte Wohnung öffnete sich uns, als wären wir in einem Raumschiff gelandet. 
Sie schien lange auf die Rückkehr der verlorenen Tochter gewartet zu haben, vermutlich wurde sie zwischenzeitlich nur für Stunden oder Tage bewohnt. Es schien, als wurde in ihr mehr gereinigt als gelebt. Der Glanz des Holzbodens, der Möbel, der Spiegel und Fenster strahlte etwas unheimliches, bedrohliches aus. Etwas von verlorener Zeit und Melancholie strömte aus dem Mobiliar. 

Da würden wir also die Nacht verbringen, schoss es mir als flüchtiger Gedanke durch den Kopf, während wir unser Gepäck hinstellten und gleich wieder die Treppe hinunter in die Wohnung der Eltern gingen.

M. bestimmte, dass ich das Abendessen zuzubereiten hatte, um meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ihre Mutter hatte das nämlich angezweifelt, das hatte ihr Mund verraten und jagte mir mit jedem Atemzug eine Tranche Angst in den Bauch hinein; trotzdem, ich würde gut kochen, wir würden bald essen und so wurde ich instruiert, wo die Ingredienzen sind.

Und so bin ich mitten in dieser blitzenden Küche gestanden, mit ihren  Einbauschränken und dem Neonlicht an seiner Unterseite, das einen verschwommenen Streifen auf das halbdunkelbraune Laminat der Arbeitsplatte geworfen hatte, mich mit seinen Ingredienzen, dem Rüstbrett und dem Küchenwerkzeug mit seinem metallischen Funkeln anbrüllte und befehligte, es bitte gleich zu benutzen und zu tun, was ich nicht weiss, zu wissen, was ich vergessen hatte, mich daran zu erinnern und es zu tun: Nämlich etwas zuzubereiten, das man essen kann. 
Aber die Arbeitsplatte drückte eine Linie in meinen Unterleib, dass ich die Genitalien spüren konnte und die beleuchtete Fläche mich anstarrte wie eine Sandwüste und ein Messer mich zwang, mit ihm zu schneiden und einen ersten Schritt zu tun, ohne zu wissen wie der Zweite ist, jener, der den ersten zu korrigieren hatte, weil der zweite nicht zum ersten passte, abzuwägen und zu retten, was zu retten ist, bis zu seinem bittersüssen Ende. 

Später werden wir gegessen haben müssen, nachdem M.`s Vater mit aufgedunsener Nase aus dem Keller gestiegen sein musste, wo er seine Zeit vertrieb, ein Waffenarsenal haben soll - einen Folterkeller vielleicht, ich weiss es nicht mehr. Ich hatte mit all dem nichts zu tun. 


Blockade

Das dunkelblaue Kabriolett mit den blauen Luftballons zieht eine neongrüne Wolke hinter sich her und vernebelt die nachfolgenden Trommler, die trunken zu wippen beginnen und unverständliche Laute von sich geben. Laute, die klingen wie „oi“, und „oh“, wie Kuhglockengeläut.

Alles voller Hasenohren: Rosarot und plump über den eigenen Köpfen im Strudel des trunkenen Windes wiegend. Eine ganze Kirche aus leuchtendem Styropor wird an uns vorbei geschoben.

Und dann kommen nochmals Trommler, angeführt von einem Major mit hochgezogenen Kinnladen und zusammengepressten -gesetzten) Lippen, den Blick über meinem Kopf, auf die Dächer der Häuser gerichtet, als wäre da ein noch höherer Befehlshaber wie er mit seiner rechten Hand ruckartig einen blank polierten Spielstab mit seinem kugeligen Ende hoch und runter zieht, die Trommler in Linien an mir vorbei, wischend, immer wieder - schreitend wie verlorene Seelen, wild auf die Felle hämmernd, verstohlen und heimlich der Kirche hinterher. 

Was für ein Aufzug: Grünblaue Röcke mit ausladenden, grasgrün seidenen Lendentüchern, die dem stechenden Schritt der Männer den Gehorsam verweigern, vom Winde verweht, die Beine herum.

Steinerne Masken mit metallisch glänzendem Teint und verfetteten Haarbüscheln, aus turbanartig gebundenen Kopftüchern lugend. Lachfalten, die aus allen Mundwinkeln fliehen, auf die Ohren zu bis hinter das Geschwülst der Ohrläppchen, als stünden sie im Sturm des Windes, die Masken wie Wesen, die in Wellen hoch und Auswürfe durcheinander posaunen, aus all den verborgenen Mündern, die sich anhören wie „Oh“, Ahoi, wie „Land Ahoi“, wie Liebe, Gott, Geborgenheit und Schlaf.

Die Kompanie löst sich langsam auf, wie Reihe um Reihe vorüberzieht, die Ordnung verlierend, durcheinander tapsend, deren Glieder aus Männern, umher, kreisend um sich und einander herum, taumelnd der Kompanie hinterher, wissend, dass sie als Teil dessen und schlaftrunken den davor Gehenden zu folgen haben. Die kleinen Marschtrommeln, kraftlos in ihren Gurten hängend, deren Holzschläger, wie zufällig auf die Trommelfelle fallend, die, manchmal hart, das Fell verfehlend, auf den Rändern der Trommel landen. 
Das Getrommel zerstiebt wie Wasser in der Brandung: so  taucht eine liebliche Melodie aus der tosenden Gischt herauf, die mit seinen Obertönen als Wasserspritzer das Lied der Hoffnung erklingen lässt bevor das Getrommel zügig verebbt, und nur noch einzelne, hilflose Trommelschläge aufbegehren und Nachzügler taumelnd den Anschuss suchen.

Gleich dahinter, kommt schon fast im Trab und stechenden Schrittes, eine andere Kompanie daher geschossen, etwas fehlt, aber was? Die Trommelschläger mit echten, unverdeckten  Gesichter, in sich gekehrt, der Welt entrückt, vor sich hin gehend, in unheimlicher Präzision auf die Trommeln mit ihren Schnarrsaiten schlagend – als wärs ein Himmelfahrtskommando. 

Die vielen hoch klingenden, kleinen Trommeln mit blechernem, schnarrendem Klang verfliessen zu einem Teppich, der sich anhört wie die aus dem Tosen gefilterten Schaumkronen der Wellen in einem weiten, stürmischen Meer. 

Alles geht sehr schnell. Und so blitzt mir der Gedanke des fehlenden Majors durch den Kopf. Dann kommen wieder Wagen, als wäre nichts gewesen. Wagen - was für Wagen! Was haben denn die Wagen geladen? Ist das ein Karneval?
Alles voller Könige, mehr Könige als Untertanen, Tücher, woraus Gesichter mit Eisbärenmünder lugen. Ein Paukenschlag, tut weh, ist gleich vorbei. Ein Poncho mit einem Strohhut - ein kleiner Junge liegt auf dem Asphalt - komm steh auf, mein Junge, du schaffst das schon. Fernab heult eine Sirene und um die Nase streicht ein Geruch von jungem Urin und uralt, urbanisiert, metallischem Gestein. 


Flucht

Wie das Essen geschmeckt hatte, weiss ich nicht mehr. Es muss etwas währschaftes gewesen sein. Möglicherweise hatte ich es zum ersten mal gekocht. Ich denke an Würste, weil ich die nicht mag.
Wir müssen über etwas geredet haben. Aber ich kann mich nicht erinnern, was das war. Ich muss mit den Gedanken woanders gewesen sein.
Danach müssten wir in den oberen Stock gegangen sein, M. und ich. Der Vater müsste im Dunkel des Kellers verschwunden sein, die Mutter woanders und irgendwann müssten wir angefangen haben, uns auszuziehen und ins Bett zu gehen, und irgendwann muss mein Kopf in der Tiefe des Kissens verschwunden sein. 
So ähnlich muss es gewesen sein. Vermutlich ist noch etwas Unwichtiges passiert. Sehr wahrscheinlich hatte es Streit gegeben. Vielleicht hatte ich die Zähne geputzt, möglicherweise nicht. Ich kann mich nicht mehr erinnern. 
Wir müssten über etwas geredet haben. Aber ich hatte nicht zugehört, denn sonst müsste ich mich erinnern.
Wir müssen ins Bett gegangen sein. Vielleicht habe ich mich auf die andere Seite gedreht, um mich ihr abzuwenden. Müde hatte ich die Augen geschlossen. Das ist sicher und ging wie von selbst. Dann hatte ich sie zusammengedrückt, dass sich die Augäpfel anfühlten wie geschälte Litschis. Das weiss ich, der Augäpfel wegen, die ich zusammengepresste, als könnte es das Einschlafen befehligen, dessen Vollendung mir Erlösung versprach und die Sinnesorgane verschliessen sollte und mich schützen, vor weiteren Streitereien und den Sorgen. 

So suchte ich den kleinen Tod des Schlafes zu sterben, als gäbe es nichts schöneres auf der ganzen Welt: Den eigenen Träumen zu verfallen, fernab des irdischen Seins, in der Tiefe des Geistes, wo die bösen Träume irgendwann ihre Wirkung verlieren, weil sie sich längst in den Tag verlagerten, um nachts der Glückseligkeit zu weichen. 

Gefangen        
Dann kommen Glockenträger, wie Walfische treiben sie daher. 
Sind sie maskiert? Ich kann es nicht sehen, die Gesichter wie gelähmt, ausdruckslos, ungeschminkt, oder doch geschminkt?
Wie im Halbschlaf geistern sie dahin und von dannen, hinkenden Schrittes, mit schweren Glocken an breiten Gurten, die an Schultern hängen, beflügelt mit dem Hauch des Todes - liegt`s am Geruch, dem fahlen Licht des bedeckten Himmels?… 

Mit jedem Schritt schlagen die Glocken auf die Schenkel über dem Knie und federn zurück und  schlucken alles auf. Nur die Trommelschläge, die alle paar Reihen eine eigene bilden, und die Glocken anzutreiben versuchen, sie zu beherrschen, aufbrausend, dass die schwerfälligen Glocken mit immer lauteren Schlägen reagieren, und zu brüllen beginnen. - Sie lassen sich nicht treiben.
Es tut weh. 

Der Umzug ist ins Stocken geraten. Wo ist denn der Junge, der auf dem Asphalt lag? Ich kann ihn nirgendswo d
  sehen. Alles geht nur noch sehrlangsam. Es sind nicht die Wagen, die langsamer rollen, sondern die Zeit, die anders geht. 

Wie ein Gletscher fliesst der Umzug dahin, in Bässen grollend , vom Schrammen über das Gestein, das ihn trägt.
Hat er den Jungen mitgenommen, mumifiziert, gar skelettiert? Es macht alles einen unerhörten Lärm. „Wo wo ist der Junge?“,  schreit es durch meinen Körper hindurch.Plötzlich heult es in die Höhe wie ein melodischer Rülpser, das Ich aus dem Taumel gerissen: „Hei, Heeiiii“ und in der Stimmlage gleich wieder hinunter: „Du kannst ja gehen“, aus der Menge geworfen, eines Mundes von der Seite, und dann, als gäbe es ein höhnisches Lied zu beenden, echotet der Gift strahlende Mund der Mutter: “Du kannst ja gehen“ während die aufgequollene, über dem hämischen Grinsen des Gesichts entwachsene Nase des Vaters, hinterher krächzt mir im Strudel seines alkoholisierten Atems mitten ins Gesicht: „Na, Na junger Mann, geht ja ganz gut, so schlimm kann es ja nicht sein, so wie du gehen kannst.“ 

Ich schaue sie keineswegs entgeistert an, verwundert vielleicht, etwas lächelnd sogar, ich kann es nicht sehen, schaue in ihre Körper hinein— hindurch und weiter in die Ferne, aus der sie kommen, da, wohin ich gehen will und möchte sie fragen: „Ist es noch weit?  Kann ich das schaffen?“ aber da sind sie schon weg, verschlungen vom Magen der wogenden Menge, die an den Rändern stehen, und sich an den Umzugswagen ergötzen, als wäre nichts geschehen

Dann geistern gesenkte Köpfe dahin, mit mitleidig gähnenden Lochkugelaugen wie schwarze Löcher und immer schauen sie von oben herab, von Wagenbrücken herunter und immer scheinen sie grösser zu sein. 
Weisse Haare auf dem Haupt, möchten weise sein, lassen die Münder leicht geöffnet, möchten Anmut wecken, Lust sogar. 

Hinter ihnen, auf der anderen Seite des Strassenzugs beginnen zwei blaue Lichtkegel um die eigene Achse zu wirbeln.

Festgemacht auf dem Dach eines Rettungswagens blitzen sie mit ihren mahnenden Augen durch die Lücken der Schreitenden hindurch, verscherbeln an den Wänden der Häuser, in denen der Rettungswagen zu klemmen scheint, während der Tross stoisch weiterschreitet.
Ein Mann steht neben dem hilflosen Gefährt und hantiert etwas an der Windsachutzscheibe.

Dunkelheit

Ich war so müde, dass ich nur noch schlafen mochte, die bleiernen Augenlider fallen lassen wollte, nicht mehr kämpfen mochte. Ich hätte weinen mögen und mich dahin treiben lassen wollen in meinen eigenen Tränen, einem irisierenden Tränenmeer, einem Ich-gewordenen Paradies, dem wahr gewordenen Traum nach Todessehnsucht.
Ich wollte alles sehen, aber eine fremde Kraft verweigerte mir das Sehen, es war alles so schön; viel zu schön. Aber das stimmte nicht, war es das Rot, das Gelb, ich weiss es nicht. Ich schloss die Augen. Nicht, dass ich dabei etwas gesehen hätte, nein der sanfte Druck der Augenlieder verschaffte mir dieses süsse Gefühl, ja, es war ein Geschenk. Die Angst verschwand in der Dunkelheit und bunt glitzernde Tautropfen reflektierten das Sonnenlicht in allen Farben.

26. August 2021
Finissage
30 minutes of improvised and composed music to and by Bach played by Maja Willi

Strohhalm

Da, auf einmal peitscht ein hoher Knall in die Strasse hinein, zerfetzt wie Geblitze an den Hausfassaden und jagt als Echo weiter bis in die Häuserschluchten hinein, taumelt zwischen dem Gemäuer hin und her, während er in immer kleinere Teile zerfällt, jeden Traum zerpflückend, der sich ihm in den Weg stellt, verheddert im Putz der Hausfassaden, bis er zu einem Klangbrei verschmolzen im Asphalt der Strassen entschwindet.

Gerade, während ein vierspänniger durch und durch goldig strahlender Streitwagen von schwarzen Rossen daher gezogen kommt, und sich die vorderen beiden Rösser erschreckt aufbäumen, an den Trossen reissen, und der auf dem Wagen stehender mit violettem Netz vollkommen verschleierter Mann die Zügel fahren lässt und um sein Gleichgewicht kämpft, während das unheimliche Gefährt auf den Jungen mit dem Poncho jagt, der noch immer wie ein (aus dem Nest gefallenes) Kücken auf dem Boden liegt.

Da kommt ein Schwan daher getänzelt als wäre nichts passiert, schwingt wie ein Engel seine goldigen Flügel hoch und runter, viel zu wild für einen Schwan, sein Kopf ist unbeholfen in ein königblaues Tuch gewickelt. Ich öffne den Mund, erst kommt kein Tondann  sage ich, viel zu leise:  „Halllo“, aber das kann niemand hören, „halllooh! Kannst Du mich hinübersetzen? Kannst Du meinen Körper rüberbringen?“. Aber - wer soll das verstehen, ich strecke noch meine Hand ihm entgegen: Nur sein goldig leuchtendes Tuch streicht mir tröstend über die Finger, bleibt einen Moment am Daumen hängen, als will er mir sagen: „Schon gut, mein Junge, du schaffst das schon“; doch der Schwan mit dem viel zu kleinen Mund blickt wieder in die Ferne, der sich mir nie zugewandt hatte, zieht über mich hinweg, blendend, hoch und erhaben. Über seinem Rücken fallen dunkle Plisseefalten und tänzeln frech zu seinem Schritt. 


Ausbruch

An der Schläfe zuckte das Herz im Kissen. Es war sehr still. 
M. lag neben mir im Bett. Ihr Atem war nicht zu hören. Nur ihr Denken wollte nicht schweigen und mein Schaumstoffkissen knirschte verhalten, wenn der Kopf sich regte. 
Ob sie mich wieder wecken wird, wie kürzlich, als sie mich zur Rede stellte und mir meinen Traum stahl? Ob sie mich wieder anklagen wird? Gab es nicht der Gründe genug? Ich hatte vieles falsch gemacht. 
Der Kopf lag ruhig auf dem Kissen, wollte keinen Anstoss wecken. Durch die Augenlieder sickerte oranges Licht. Die Müdigkeit liess sie zusammenpressen und das Orange verdunkeln.
Dann war es plötzlich weg, mit einem Klick, das Licht gelöscht, ein kurzes Nachleuchten noch, bevor es schwärzte und die Lichter aus dem Innern des Körpers die Herrschaft übernahmen. Aus dem Kissen hörte ich, wie das Blut durch meinen Körper floss.

Der Atem ging mühsam hin und her, als würde er durch einen Schwamm in den Bauch gepresst und wieder hinaus gezogen. Es ermüdete mich dermassen, dass es ein leichtes gewesen wäre, das Atmen auszusetzen, etwas auszuruhen, wenn auch nur für einen kleinen Moment. Dabei hatte ich mich früher schon erwischt, für ein paar Züge nur, aus Müdigkeit den Atem anzuhalten und mich gefragt, ob so der letzte Schlaf herbeizulocken wäre.

Der Atem floss hin und her, bis er ein einziges mal ins Leere floss, als hätte ein einziger Atemzug die ganze Melancholie dieses Hauses aufgesogen, als gälte es, eine Heldentat zu vollbringen, um endlich Zuneigung zu erheischen, jene, die in der Tiefe meines Herzens leise flennte. Vielleicht hatte es geblubbert; ich spürte keinen Schmerz, etwas Angst vielleicht. Auf jedenfalls hatte ich in das dunkle Nichts des Zimmers, worin ich lag, mit trockener Stimme gesagt, dass ich in ein Krankenhaus gehen müsste, gerade so, als würde ich sagen: „Kannst Du mir ein Glas Wasser holen“? derweil ich bewegungslos, beinahe königlich auf dem Rücken lag und auf Antwort wartete. Ich kannte das Gefühl.

Das letzte Aufbäumen

Eine Reihe dunkler Gestalten, mit Kutten bekleidet, deren viel zu grosse Kapuzen über den Ohren die selben wie Spoiler wirken lassen, schleifen mit hektischen Bewegungen eine titanisch grosse Plane über den harten, klebrigen Asphalt in den fahrigen Schatten der Schwingen des Schwanes hinein, als wollten sie dem Licht entfliehen. 

Im Dunkel des Schattens kann ich zwei glänzende Körper sehen, die sich im Geblitze des  Blaulichts winden wie zäher Teig im Trog einer Knetmaschine, währendfglitzernder Sand um sie flirrt wie in einem Wüstensturm. 


Auf beiden Seiten gehen stechenden Schrittes mehrere Träger mit weissglühenden Fackeln, begleitet von Schwärmen aus Mücken, die zu Tausenden über ihren Köpfen in einem Auf und Ab ihren Hochzeitstanz vollbringen.

Feuchte Hitze.

Die Liebenden bewegen sich anmutig hin und her wie trabende Rosse und wühlen im Sand, der durcheinander stiebt und hügelige Gebilde zurücklässt. 

Ich kann sie hören, mit ihrem Stöhnen, vermischt mit dem Rauschen des Sandes, wie im Motorenraum eines Dampfschiffes mit der heissen, Motorenöl getränkten Luft der Traktoren.

Wie gefangene Sirenen sirren die Geräusche auf der Plane einher und versinken unter der folgenden Woge, die sich lärmend über M. und mich wirft, noch bevor ich begreife, was passiert.


Halbschlaf 

Dann war das Orange in den Augenliedern wieder da. Ich öffnete die Augen, und sah in die geweiteten, cyanblau und vorwurfsvoll mich von der Seite anstarrende Augen. 

Sie sass da, wie eine Taufkerze im Bett, warf die Decke zur Seite, stürzte panisch aus dem Zimmer und stand kurze Zeit später mit ihrer Mutter unter der Tür, die sagte, dass das jetzt nicht ginge, dass es sehr spät sei und man ja gar nichts sehen könne.

So sah ich sie da stehen, wie ein wartendes Pärchen an einer Station für interstellare Busse, brachte kein Wort über die Lippen und starrte in den Mund der Mutter mit ihrem schwarzen Loch und den in alle Richtung fliehenden Strahlen und harrte gebannt mit meinem Blick in ihrem Rachen, wo noch etwas gewesen sein musste, ich weiss nicht, was das war, nicht die Mandeln, nicht die Zunge, in ihrem Mund unter der Zunge!

Und dann hatte ich angefangen, sie zu beruhigen: Ich könnte ja auch morgens gehen, sie bräuchten sich keine Sorgen zu machen. Die Mutter drehte sich wortlos im Rahmen der Tür und verschwand ohne meine Stimme zu hören, die sagte, wie von selbst, an M. gerichtet: „Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen, leg dich ruhig wieder hin“. 

Vermutlich hatte sie noch etwas gesagt. Oder auch nicht. Es ist dann sehr still geworden. Ich lag auf dem Kissen und achtete auf die Stille, die sich ausserhalb meines Körpers im schier endlosen Raum verlor. Ich liess die Müdigkeit mich bedecken, als hätte das schlafende Ich sich geteilt: 
Während das eine, etwas wachere mich sorgsam bewachte, schien das andere mich zu plagen und ins dunkle Innere meines Körpers zu zerren, worin es gurgelnd als Blut durch die Adern schoss, durch ein Kanalsystem aus Verzweigungen, Kanten und Tiefen, durch die es stürzte und alles mitriss, was sich ihm in den Weg stellte, durch dunkelste Nacht, ohne das erlösende Licht am Ende des Ganges, worin das „Ich“ sich zu verlieren wünschte.


Unterwerfung

Auf der Strasse tut sich eine Lücke auf. 
Der Boden ist bedeckt mit Sand, Kot und glänzenden Flecken, von der Plane  in langgezogenen Schlieren über den Asphalt geschmiert. Bedächtig nähert sich von weitem, ein neues Gefährt. Ist es ein Schiff oder ein Walfisch, der aus dem Nichts erscheint und dahin schwebt — und doch leicht wie ein Vogel dahin segelt, dass sein Kiel nur leicht im Wasser zu treiben scheint, sich abhebt als ein stählerner Koloss, ists doch ein Walfisch, der aus dem brodelnden Asphalt der Strasse bricht und zu einem Ozeanriesen heranwächst, dunkelgrün, lackiert und schwer: Ein Bug mit zwei Öffnungen, wie ungeheuerliche Augen, zur Blindheit gepfählt mit beidseits dornigem Anker, und darüber, bevor der Stahl als Reling den hochnebligen Himmel durchschneidet, verschwinden die Taue in den herausgeschweissten Öffnungen.
Auf der anderen Seite der Strasse rennt plötzlich eine junge Frau los, hat die Lücke gesehen, klammert sich an die schmalen Hände des Jungen an ihrer Seite und schleift ihn über die schmutzige Strasse.

Über der Reling sind die Umrisse von zwei dunklen Gestalten zu erkennen. Sind es Matrosen, dessen Hände lässig über dem Abgrund baumeln? Ich spüre ihre gebieterischen Blicke in den schwarzen Gesichtern. Wie eine böse Ahnung fährt ein kalter Schauer über meinen Körper. Ich zögere. Mirjam steht neben mir in ihrer eigenen Welt und ich bin gespannt wie ein Bogen, breche die Lähmung, packe ihre Hände und renne los, in die Weite der Strasse, wie ein schlecht gezielter Pfeil, mitten in die Wolke aus Eiseskälte.
Der Bug richtet sich auf, scheint alles andere als ein schwebender Vogel zu sein und stürzt sich über uns wie eine brechende, fallende Woge.

Nacht (Geisterbahn)

(Geisterbahn, Bahnhof-wartende vergitterte Wagen, in die man steigt, mehrere sind hintereinander, der jeweils vorderste wird aus seiner Erstarrung gelöst und beschleunigt und in einen dunklen Schlund geschleudert, furchterregende, mit Motoren bewegte Objekte tauchen auf, kantige Kurven drehen kurz vor  dem Aufprallen seitlich weg, die wilde Fahrt wird manchmal abrupt abgebremst oder beschleunigt. kreischende Stimmen aus dem Off, oder unheimliche.)


Wolken aus Russ betäubten das grelle Licht am Ende des Adern-Ganges welche das Blut erhitzten. Wolken mit glühenden, messerscharfen Rändern aus gierigen Glutpartikel, die sich einen Weg durch das Dunkel brannten.
Zischend brach das Gewölk auseinander. 
Ich konnte mein Herz hören, wie es leise schlug, das sanfte Atmen des Körpers, das Pulsieren meiner selbst und über uns beiden dieses hohe, wilde, sirrende Etwas.

Das ungezähmte Blut jagte durch die Adern, dass die Wolken zerstoben. Und beide „Ichs“: das Meine und das Fremde, sassen wir in einer Gondel mit einem hohen Kiel und schauten auf jemandes langen Rücken, der vor uns auf der Sitzbank sass und hinter uns stand jemand
mit einem Körper wie eine, in weissen Marmor gehauene Statue und stach mit einem langen Ruder in die Tiefe; wir mussten uns kennen, waren uns vertraut, irgendwie, aber woher, wusste nicht. Die Gondel stürzte auf einem glühenden Fluss in die Tiefe - durch ein steinernes Treppenhaus, über holprige Stufen, um die Ecke geworfen und in die nächste Stufenzeile katapultiert. 
Ich sass weniger drin, als dass ich über ihr schwebend auf die hinunterstürzende Gondel sah. Ein Zischen von dampfendem Wasser. Die Treppe mündete in einer Ebene und wurde flach wie ein See. Das Boot löste sich auf, als wärs aus Eis und schmolz in einen achteckigen Brunnen hinein. Der war voller Leiber, wie in einem Bad.

Mein Körper sank wieder auf die Erde hinunter, vereinigte sich mit seinem anderen Ich, nein, ging auf es zu, als würde ich auf den Galgenhügel gehen, wo ich versuchte, es zu töten, das es mir nicht zutraute, mich deswegen verhöhnte: nicht mal das kriegst du hin – es klappte nicht, stattdessen klammerte es sich an meinen Körper. Alle waren sie nackt, die sich in diesem achteckigen Brunnen tummelten, ein hin und her von glänzenden Körper sich windend – orgiengleich. 

Irgendeinmal, in der fortgeschrittenen Nach, beruhigte sich der Strom und zog bald träge dahin.
Ich sass an seinem Ufer und schaute in zitronengrün illuminiertes, gläsernes Wasser, das still vor sich hin floss und auf seiner spiegelnden Oberfläche ein himmlisches Blau irisieren liess.
Ein zart gefiedertes Blässhuhn schaufelte mit seinen grossen Füssen elegant den leichten, dunklen Körper in unsteten Bahnen durch den flüssigen Kristall und schob sanfte Wellen auf die Seite.
Sein schneeweisser Schnabel schwenkte mit seinem Köpfchen hin und her, sorgsam bedacht, dass seinen neugierigen Augen nur nichts entging.
Zwei junge Fische schwammen synchron nebeneinander durch das formlose Wasser, tänzelten anmutig im Kreis umher wie fisch geword`ne, balzende Pfauen: Gab das eine die Richtung vor, tat das andere ihm folgen, nicht ohne mit einem koketten Schlenker in leisem, unernstem Protest eine Richtungsänderung zu provozieren, in wechselnden Rollen, in androgynen Spiel, dass die hartnäckig folgenden Schatten auf dem Grunde des Wassers mitunter ganz verwirrt um Anschluss haderten.
Eine unbändige Übermut ging durch das Gewässer hindurch, wollte alles Leben in seiner ganzen Pracht noch einmal aufblühen lassen und auffahren, was das Leben gab, das ganze Leben, alles…

Dann wurde es still, ward Bild und ging davon. 
Wie eine Wolke, in die man greifen konnte.
Ein Geklimper von Geschirr, vermutlich. Von weit her.

An meinem Arm ging ein stossweises Pumpen los und riss mich aus meinem kleinen Paradies. Etwas war los an meinem Arm, ging los, hielt inne, kurz, und verpuffte, bis alles wieder ganz ruhig wurde.
Ich lag in einem fremden Bett. War leicht wie ein Nichts. Alles andere war laut. Müde war das Ich und kühl der Raum, nur frieren tat ich nicht.

Metamorphose

Ein Geruch von Metall und verbranntem Maschinenöl entströmt seinem Maul, einem ungeheuerlichen Bug, der ein Schiff sein will.
Ich suche seinen Blick, der irgendwo hinter den beidseitig unter der Reeling eingelassenen Anker lauern müsste. Das ist ein Fehler, ich weiss das, ein freudscher nur -  ich weiss genau, wie es kommen wird, dass es mich erniedrigen und beschämen wird, dass ich seinem Blick nicht standhalten werde, dass ich unausgesprochene Befehle entgegennehmen und mich danach grämen werde, weil ich mich nicht wehren konnte, zu schwach war, und schon wieder darauf hereingefallen bin.
Wieso hört die Woge auf zu fallen, auf einmal; wie sie gebremst wird, als hinge sie an einem Fallschirm, der ihr Fallen stört, mittendrin, als würde ein Wind unter den Schirm blasen, und die Woge wieder hochpusten, mit widerspenstigem Blick, mitunter böse, beleuchtet aus der Tiefe mit teuflischem Licht, das ihr Gesicht in hämischem Grinsen erstarren lässt, sich die Woge mit ihrer Armada aus Missgunst im Räderwerk der Zeit verfängt.
Der Schiffsrumpf wirft einen dunklen Schatten über uns  und  verklebt uns als schwarzes Loch auch dem Boden der als schwarzes Loch auf dem Boden lieghenbleibt. Etwas fällt über die weissschäumende Reling, muss jemand über die Reling geworfen haben, dunkle Knäuel, wie leblose Puppen, fallend, in einem Zeitloch verloren, am Ende der Zeit.


Ein vorauseilender Geruch von Schweiss und Plastik verrät asl schattenhaftes Wesen die toten Puppen, wie der eines unmerklich aufziehenden Gewitters
Mir ist, als wären sie schon immer in der Luft  gewesen.
Plötzlich habe ich sehr viel Zeit bekommen, alles zu sehen, genauer zu sehen, bis der Bug mich vollends aufgeschluckt haben wird. Aus dem Innern des Doms aus Stahl dringt ein unheimliche bedrohliches, anschwellendes Geräusch - wird immer lauter, aber nicht von oben, sondern aus der Tiefe der Erde, wie das Tuckern eines alten Kahns, der sich gemächlich durch einen Schacht schraubt, mit einem, tiefen, vollen Klang, als würde jemand unablässig von Innen an die Schiffswand klopfen.

 

Karussell
die Figuren sind festgeschraubt, können nichts tun, müssen sich der Geschwindigkeit der Motoren fügen, Wimpel von Ländern Glühlampen, bunte Bilder von Clownfratzen schauen über die Köpfe des Publikums hinweg. Schwäne Enten Motorräder ein Häuschen , wo man sich eine Karte kaufen kann. viele rosatöne magenta türkisblau.
vorbeiziehen, schweben, rasen, vorbeisind auf einer runden bühne, die sich dreht, in seiner Mitte eine Stange, die dreht ein Motor, eine Drehorgel, ein maschinenorbel.
Seltsames Geschrei, jemand wird Geschrei angetrieben, Schreie eines Wettkampfs, verzweifelte Versuche dem Schrei einen Inhalt zu geben, eine Färbung


Wieder kam das Pumpen in meinen Arm, vertat seine Zeit und verschwand  – und kam zurück. Immer wieder.

Dazwischen ein Klirren, wie scherbelnde Gläser, oder ein Scheppern vom Geschirr von Rossen.
Als würde auf einem Karussell wild getanzt. Auf glänzenden Rossen worauf kinder sitzen mit wehenden haaren und in die Fliehkraft fliehenden Händen, schreiende Kinder, schreie, die vorbei heulen die sich im Fahrwind in Heulken verwandeln.

Funkelnde Obertöne wie Glasharfenklänge, wie geheime Botschaften aus einer anderen Welt. 

Und sie kamen und gingen wie funkelnde Karussellfiguren, Klangfiguren.

Dann gesellten sich Tröten spielende Kinder pferde, schweweinchen, Eseln enten ei Feuerwehr wagen, Kutschen, eine Gallone ein Motorrad, 

alle kommen wieder, doch immer scheinen sie eetwas anders zu sein. kleine veränderungen.  hinzu und wurden bald von etwas feineren Schalmeien abgelöst, als wäre die Situation akzeptiert worden, als wären die Attacken auf meinen Oberarm heilsam gewesen, versöhnlich und in Ordnung schien alles zu sein, und frei von Angst.

Angesichts eines weiten ruhigen Sees, der in der Ferne zu Wolken verschmolz, deren Wasser sich langsamer bewegten als der Stundenzeiger der Uhr im Wartesaal in die Unendlichkeit.

Friede, Glücksgefühl.

doch Dann wurde es gestört von tiefem Grollen, wie von wachenden Hunden. Ein Beben, der Tiefe der Erde entlockte, wie das dumpfe Grollen eines Bebens. 

Doch waren da noch andere Klänge, wehmütige, von einem Walfisch vielleicht, langgezogene, der Tiefe der Erde entlockte, den hohen ganz nah, irgendwie. Als würden sie vorbeiziehen, wiederkommen, wie ein Karussell aus einer anderen Dimension. 

(Jahrmarktstimmung) 


Der Fall

Da löst sich eine Puppe aus dem Gewölk und hebt sich frech von der Gruppe ab. Ist es ein Mann, eine Frau? Ich kann es nicht sehen, sie scheint mehr zu tauchen als zu fallen, als schwebte ich empor, ihr entegen, auferstehungsgleich emporzuschweben scheine-. Ihre Haarsträhnen rütteln im Wind, das Gesicht flackert gespenstisch und die Hände flattern wie Daumenfittiche eines Raubvogels. Seine Augen quellen aus den Augenhöhlen, wie jene von Tiefseefischen nach dem Fang. Sein Blick aber, ist stur auf den Boden gerichtet, sein Sinken so langsam, wie es grösser wird, kein Ende zu haben scheint, so, wie er immer grösser wird. Ich will weg, ich will springen, aber das geht nicht, ich bin mit meinen Gliedern noch in der Luft und der rechte Fuss ist noch immer dabei, mit dem Boden in Kontakt zu kommen, während der Fallende auf mich zu rast, seinen Schatten über mich wirft und als heisser Atem an meinem Gesicht vorbei wischt, er seinen Blick hebt und sich unsere Blicke für einen kleinen Moment treffen und seine vor Angst brennenden Augen mir einen Hilfeschrei entgegen schleudern. Aber ich kann nichts tun. In seinen Augen sucht der ganze Irrsinn eines ganzen Lebens ieinen Sinn, das sich noch einmal abspult, in rasendem Tempo, wie ein Kassettenband, immer schneller, auf das Ende zu, bis es abrupt stoppt (endet). Und fällt neben uns mit einem lauten, dumpfen Knall auf den Boden.


Und bleibt auf dem Bauch liegen.
Dann ist es plötzlich ganz still.Still
$.

Der Rücken ist nach oben gewölbt, als läge seine Brust auf einem Kissen. 

Der Kopf liegt sanft auf dem Asphalt, leicht zur Seite gedreht. Seine Augen starren entsetzt in den Boden. Kein Blut, nirgendwo und keine Wunden, nur sein goldglitzerndes Kostüm ist aufgerissen und glänzt unerschrocken seines leblosen Körpers mit seinen Pailletten  deren einzelne unerschrocken im fahlen Licht des bewölkten Tages weiter blitzen, als in einem letzten Akt der Körper des Toten noch ein kleines bisschen mehr zusammenfällt, so, als hätte seine Seele den Körper eben grad verlassen. Die Arme sind angewinkelt, als hätten sie versucht, den Sturz aufzufangen. Die eine Handkante liegt sanft auf der Erde und verdeckt zur Hälfte den geöffneten, in seiner Verzerrung erstarrten Mund. 
Was er sieht, scheint ihm nicht zu gefallen. Nein, das ist nicht der Tod eines friedlich entschlafenen, sondern eines überfallenen, der Zeit beraubten, ans Sterben zu denken. 

Das schwarze glänzende Haar ist etwas zerzaust und muss vor kurzem frisiert worden sein. Die Zungenspitze liegt auf dem Zeigefinger der halb geöffneten Hand.

So plötzlich. So plötzlich kann man doch nicht sterben, und so schnell, denke ich. Das ist doch nicht möglich. So langsam. Ich kann den Mann, ich kann seine Augen sehen, wie sie sahen, dass es nichts mehr zu sehen gibt, nichts mehr zu sehen gibts. Nie mehr was zu sehen gibt. Ich bin erregt, ich bin unwahrscheinlich erregt, wie er das zeigt, aber das liegt nicht einfach so da. Das kann nicht sein.
Das Wetter ist diesig, nicht warm, nicht kalt. Vor uns liegt der Asphalt wie das Meer mit kräuselnden Wellen. Vereinzelt stapfen Leute in der Nähe seines Ufers, am Strassenrand, wühlen mit ihren Blicken im Sand als würden sie nach Bernstein suchen. Oder nach Muscheln? Nach Glück? Beide spüren wir das Verbotene in unserem Tun, das Es und das Ich, dass es uns die Angst durch die Körper trieb. Angst, die sich in unbändige Lust verwandelte. 

Berührung

Ich konnte meinen Herzschlag hören wie er ruhig blubberte. In winzigen Schüben pulsierte er in Wellen durch das Innere meiner Brust und verlief in den Gliedern.

Woher nur, kam dieser Lärm? Waren das nicht Glasharfenklänge? Wurde getanzt? Geklirre von Geschirr? Gelächter, so seltsam verzerrt, vom Hall? Wie es ausgelassen und fröhlich daherkam. Ob ich das träumte? Oh, nein, das war kein Traum. Ich war in einem tiefen Schlaf. War das wahr? Nein, ich war nicht in einem tiefen Schlaf. Das Geräusch aber, das kam von nebenan. Ich konnte es nicht sehen. Aber das war in Ordnung. Es war in Ordnung dass ich das nicht sehen konnte. Es ärgerte mich auch nicht, dass ich das nicht sehen konnte. Ich versuchte, gesprochene Worte zu verstehen, aber das ging nicht. Ich konnte keine gesprochenen Worte verstehen. Sie mussten von Menschen kommen, aber ich konnte sie nicht sehen, nicht verstehen.
Dann, packte mich etwas am Oberarm, packte mich fest, als wollte es mich es mich wegziehen. Wollte mich aus den Träumen reissen. Auf einen Schlag. Das Pumpen ging wieder los. Hämmerte in harten Schlägen. Jemand flüsterte mir leise etwas ins Ohr. Aber das war Einbildung. Ich war alleine. Das heisst, ich wusste, dass ich alleine war, ich wusste es und es störte mich nicht.
Kühl Luftzug zog über mein Gesicht, streichelte sanft die Haut, tänzelte im Kreise in winzig kleinen Wirbeln, dass es leise wimmerte, auf und ab, das Es in meinem Traum, im Kreise herum?
Dämmerlicht, es kam von draussen, vom Gang; floss über den Vorhang, unten durch und von der Seite. Manchmal verdunkelte es sich ein wenig im Zusammenhang mit Schritten, die vorübergingen und als dunkle Flecken über den glänzenden Linoleum irrlichterten.

Bald würde es wieder los gehen, das Pumpen an meinem Arm. Eine Drehorgel verströmte die fernen Glasharfenklänge. Blinkende Geräte harrten wie Schwebefliegen über meinem Körper. Bildschirme, die das Dämmerlicht in gespenstisches Schwirren tauchten. Vertraut war es geworden. Hatte sich ein Nest gebaut, in meinem Bewusstsein, sozusagen.

Und dann ging die Luft in Schüben in den Pneu hinein, bis es scheinbar ins Leere pumpte, einen Moment innehielt und wieder ging, wie erzwungenes, schweres Atmen, bis sein Rauschen in der Musik des ausgelassenen Festes verschwand: Dem hohen Klingen des Geschirrs, Bestecks, der Tanzmusik und so Sachen.
Bis dann alles wieder verschwand, in einem traumlosen Schlaf.


Im Korridor

Wir wiegen auf einem Floss. Sanft plätschert das Wasser an seine Seite, weckt mich sachte und macht mich ganz leicht. In das tiefschwarze Blau der Augenlieder ist etwas rotgelbes gefallen, das tut mich ganz durcheinander machen. 
Es ist dunkel, nirgendswo Tageslicht, vielleicht ist es nur Nacht.

Zwei Personen heben mich auf ein anderes Bett, irgendwie; lösen die Verankerung an den beweglichen Rollen und schieben mich hinaus.

Diskret werde ich von zwei Personen hinausbegleitet, die keine Rolle spielen, nie eine Rolle gespielt haben, wie überhaupt alle Personen keine Rolle spielen, überhaupt nie eine gespielt hatten. 

Haben sich die Zeiten wieder gefunden? Ist das Gestern „Jetzt“ geworden? Denke ich das jetzt über „Gestern“?

Es wurde still, totenstill, würde ich sagen wenn das Rollen des leise surrenden Bettgestells nicht wäre, die klebrigen Tritte der Personen, die keine Rolle spielen, ausser, dass sie mich Kopf voran über den glatten Boden schieben. Ihr Atmen, das nicht vom Sprechen kommt und das Rollen der Räder, die den Körper beflügeln mit ihrem sanftem Rütteln. 

Es ist sehr still, wie die Ruhe nach einem Sturm, bevor das Ich sich wieder zu finden beginnt.
Der Kopf, ist auf die rechte Seite gedreht, liegt ruhig da. Etwas fremdartiges drückt auf die Brust und aus der Bettdecke lugt ein Schlauch, der an der Seite verschwindet. Die Wand schlittert an uns vorbei wie ein Tunnel aus Licht, in cremefarbenem Neapelgelb, ganz homogen. 
Die senkrechte Linie eines Türrahmens wischt an mir vorbei und gibt als kleinen Spalt den Blick in ein Zimmer frei. 

Es öffnet sich schnell für einen kleinen Moment, wie im Fluge die Zeit verrinnt oder doch noch einmal anzuhalten droht, was ich da sehe in diesem Moment: 
Ein fahlweisser inkarnater Hügel liegt da vor einem milchigen Fenster als Gegenlicht, in dem das verschwommene Geäst eines Baumes in sanftem Grün irrlichtert. Der Hügel liegt da auf einer metallenen Liege wie ein gestrandeter Wal, oder eine Wasserleiche, wie auf ihr gedunsen, über sie gewachsen, gestülpt, geklebt, in einer Wirklichkeit jenseits des Lebens. 

Das Bild jagt wie ein wildes Tier in meinen Körper hinein, als hätte sich das Fliessen seines Seins in meinen Körper gestohlen.

Darüber gähnt ein Bildschirm wie ein totes Wappentier aus der Wand heraus. Am Boden liegen Fusspedale, bedeckt mit transparenten Plasikfolien, die über Kabel mit Geräten verbunden sind. Aus der Decke ragen gelenkige Arme, einer hält ein wabenförmiges Gebilde, mit innseits vielen Wabenkindern, aus Glas, weil sie etwas glänzen wie kleine, funkelnde Punkte, ein anderer hält einen Monitor, ein weiterer hält einen Schaltkasten mit Leuchtdioden und Schaltknöpfen. Ständer, auf denen Kästen montiert sind, woraus Kabel schauen, die in anderen Kästen oder in der Wand verschwinden. Aus einigen kommen dicke, oder dünne, gerippte Schläuche, die unter dem Fleischkörper oder in Kästen verschwinden. Das Ende eines Schlauches liegt auf dem Boden und entblösst eine schwarze, gähnende Öffnung. Auf einem Bildschirm an der Wand leuchtet ein grüner Strich aus schnell flackernden Dioden und auf einer Ablage, die wie ein Servierbrett den Raum auslotet, mit einer Teleskopstange in des Hügels Nähe gestreckt, liegen geordnet metallglänzende Instrumente. Ein Kabelgewirr entschwindet der Seite des Hügels. 

Friede entströmt dem schimmernden Geäst des Baumes dahinter und legt ein weiches liebliches Licht über das Feld des Raumes.

Die Dinge scheinen im Raum zu schweben wie in einem Aquarium.
Es ist sehr, sehr still. Nur das monoton rauschende Rollen der Gummiräder, mein Herz, was leise schlägt und die Atemluft, die in mein Inneres dringt.
Schnell wird der Blick mit der Senkrechte des Türrahmens wieder geschlossen und das Bild wie ein Schweif an das Fussende des Bettes geheftet:

Etwas nacktes, aufgedunsenes, bergiges, vergangenes, bewegungsloses mit seinen Rollen an die Liege geklettetes, etwas auf einem metallenen Tisch liegendes, wie ein grosser Berg von einem Körper, bewegungslos, tod und still, beleuchtet von der morgendlichen Dämmerung, die als Gegenlicht mit neapelgelbem Schein die Liege vor sich herschiebt, bleibt in meinem Geiste hängen. 

Über eine leichte Schwelle am Boden fallen die kleinen Räder des Bettes, auf dem ich liege. Es wird etwas heller. Geschlossene Türen ziehen vorbei, verbunden und gesäumt mit geschwärzten Schutz- und Haltestangen. An der Decke hängen quadratische Deckenplatten, darunter langgezogene Leuchten aus Neonröhren. Die beiden Pfleger wischen mit ihren weichen Schuhen über den Boden. Keine Menschen, ausser jene, die mich schieben und nicht sprechen.

Ich kann nicht sehen, dass wir auf eine hellblau lackierte Flügeltür rollen, die am Ende des Ganges, mit ihren zwei Flügeln und den metallisch matten Haltebügeln den Weg versperrt.

Nur die Neonleuchten an der Decke erscheinen über meinem Kopf und entgleiten wie aneinandergereihte Signalstreifen über meinen Füssen in der Weite des Ganges in der Vergangenheit, bis plötzlich zwischen zwei Leuchten ein kleines, schwarzes Kästchen erscheint, ein rotes Lämpchen verstohlen aufleuchtet und ein hochtouriger Elektromotor zu surren beginnt um gleich wieder zu verstummen, und dann noch einmal, um genau so schnell wieder zu enden, worauf das Bettgestell abrupt abbremst und mitten im Gang wortlos stehen bleibt. 
Dann werde ich angewiesen, mich zu erheben.

Ich strecke meine Glieder, werfe die Decke zur Seite und drehe mich zur Bettkante, setze mich auf und lasse gehorsam die nackten Füsse auf das kühle Linoleum sinken bis sich das Feste der Erde an meine Füsse heftet, beuge mich leicht nach vorne und hebe mich trunken in die Höhe.

Eine geflügelte, silbergrau glänzende Tür versperrt mir den Weg und spiegelt frech den diffusen Lichtfleck der Neonlampen. 

Wieder startet der kleine Motor mit seinem Surren, die Flügeltür beginnt sich zu regen die beiden Flügel gehen träge auseinander wie Schleusentore.

Ein gleissendes Licht quillt aus dem wachsenden Spalt, ergiesst sich über den Körper und flutet den Gang.

durchdringt mich, entzieht  dem Festen meines Körpers die Schwerkraft, als würd er verdampfen, einer Wolke gleich weiterziehen, in die Höhe schweben, sich zu anderen Wolken gesellen, angezogen duch eine dem geiste entschlüpfte Leichtigkeit, Lust mmich zu vereinen, dieeine unbändige Lust, mich zu vereinen, aber das Licht blendet, blendet, blendet, und ich finde mich wieder auf einer grossen Schaukel,sitzend, einer Scjaukel, so gross, dass ich das Ende der Schlaufe nicht sehen ,ann und kei goch und runter süüren kann sondern eein vor und zurück ein vor und zurück, ein hi und her, schwebend durch Wolken hindurch, in das  Gewölk hinenn und wieder zurück.
Durch schwache stellen im feinen Gewölk, brechen Sonnenstrahlen herein, streifen meine Haut. Ich fühle mich wie ein Engel, ein Engel der auf der Schaukel fliegt.engelsgleich, fühle ich mich , fühle ich mich, dass ich nict weiss, ov das ich es isr was sei, ob das ich in mir , ich versuche etwas schneller zu schaukeln, lege mich flachübewr die schaukel, dass ich die spitze meiner füsse sehen kann, und und knicke sie nwieder nach unten, unter der schaukel nach hinten den Oberkörper ganz nach vorne gelehnt die brust nach vorne gedtückt. Die Strecke, durch das gewölk wird immer weiter, mal durckquere ich kleine Schächte voller Licht, verschwinde wieder im Nebel, tauche ein in einen neuen strahl, und schaue nach unten, manchmal kann ich estwas von der erde sehen wie im flug, kann die erde sehen .wie ein vogel, so klar. sehe einen kleinen schatten, der mir folgt, dann muss ich in die Höhe schauen, und sehe die riesige sonnenkugel, mit einem grünlichblau, schillernden Hof um die Sonne herum wie ein Wirbel aus tausenden, schillernden Sardinen.

Schaukeln

Ist das nicht die Sonne, die mich blendet?
Wie es aus der Sonnenkugel funkelt?
Und dieses grünlichblaue Licht, das wie ein gewaltiger Wirbel aus tausenden schillernden Sardinen um sie flirrt?

Kühler Wind streut mir Frische ins Gesicht, öffnet seine Poren, um den Wind zu empfangen und die Feuchtigkeit und achtet gierig auf alle Zeichen, welche dem Leben entspringen, dem Geruch des Windes, des feuchten Felsens, des Winters mit dem Schnee.   

Ein Panzer wird von meinem Körper gesprengt, seine bleierne Dunkelheit triftet in das Licht hinein.

Vor mir öffnet sich ein Tal. Ein Tag beginnt, mit seinem Morgen.

Ein Dorf, noch liegt es im Schatten.
Vor meinen Füssen verschwindet der Schatten, ich renne ihm mit riesengrossen Schritten hinterher.

Die Sonne bricht gerade über die Berge hoch oben.

Auf der Talsohle kommen die ersten Häuser, lassen kantige Schatten wachsen. 

Ich renne ihnen hinterher wie ein kleiner Junge, schreite das Dorf in den Boden, folge dem Schatten um die Häuser herum, den Kanten der Dächer entlang, suche am Dorfplatz einen neuen Anfang, der Schatten geht immer schneller, durchschreite frech eine Kirchenspitze, verzettele mich beinahe im Geäst einer Kastanie, lande plötzlich auf einer Strasse, suche auf der anderen Seite den Anschluss des Schattens und renne weiter bis ans Ende des Dorfes, über eine steinerne Brücke bis alles erleuchtet ist und das Sonnenlicht den Berg hinauf schießt, in stetig wachsendem Tempo, bis das ganze Tal erleuchtet ist und ich am Fusse schon aufgeben muss, weil die Kräfte nicht reichen ich nicht mehr weiter komme und mich ausser Atem auf den Boden fallen lasse, in das noch feuchte Gras der Nacht, den steilen Berg hinaufschaue bis in den Himmel und zurück in das noch feuchte Gras, in denen die Tautropfen der Wiese als kleine bunte Punkte leuchten, in denen sich das Licht in allen Farben bricht, die mir sagen wollen, du hast es geschafft.

Ich strecke das Gesicht der Sonne entgegen. Die Sonnenstrahlen tasteten wie bei einer Kinderzeichnung das Gesicht ab und beträufelten die Haut mit Wärme.

Ich war alleine.

Ende